Die Brennnesselsamen-Ernte beginnt. Rezept – Fischpflanzerl in Brennnesselsamen-Panade

Die Große Brennnessel ist eine unserer häufigsten und für die Ernährung wertvollsten Wildpflanzen. Spricht man darüber mit älteren Menschen, die den letzten Krieg und die Nachkriegszeit durchstehen mussten, stößt man da manchmal auf Unverständnis. Denn für sie war die Brennnessel häufig eines der wenigen Gemüse, die das Überleben gesichert haben und ist eng verknüpft mit Hunger, Mangel und Angst.  Und natürlich hat es an Zutaten gemangelt, um die Brennnessel schmackhaft zuzubereiten.

Heute steht die Brennnessel – verdientermaßen – wieder hoch im Kurs. Wir wissen ihren hohen Gehalt an Nähstoffen zu schätzen, denn auch heute leiden wir an Mangelernährung, allerdings an einer qualitativen. Das heißt uns fehlen in der Welt des Überflusses elementare Nährstoffe aus frischen Lebensmitteln. Zu hoch ist der Anteil an Fett, Zucker und leeren Kohlehydraten in unserer Alltagsernährung, die oft von haltbaren und haltbar gemachten Produkten geprägt ist. Und natürlich kann man die Brennnessel sehr schmackhaft zubereiten. Im Osten und Süden Europas ist die Brennnessel noch heute durchaus ein „normales“ Gemüse, so in der Türkei und Griechenland. Hier wird im Garten und drumherum sie einfach mitgeerntet und kommt in Spinatgerichte und die griechische Chorta, den gekochten Gartensalat. Einsteiger können alle Spinatgerichte mit einem Anteil Brennnesseln zubereiten.

Die Brennnessel enthält viele Mineralien und Spurenelemente –  Calcium, Kalium, Magnesium und Eisen möchte ich hier hervorheben – viel Chlorophyll, einen hohen Gehalt an Vitaminen C. Was man nicht unbedingt erwarten würde, ist ihr hoher Eiweißgehalt in Form von essentiellen Aminosäuren, die unsere Körper gut verwerten kann. Anders als bei der Aufnahme von tierischem Eiweiß entstehen hier bei der Umsetzung im Körper keine Harnsäure. Im Gegenteil, die Brennnessel kann durch ihren hohen Gehalt an Mineralien, die basisch sind, die Säure ausgleichen. Die Brennnesselfrüchte enthalten außerdem hochwertiges Öl mit Linol- und Linolensäure Damit das nicht ranzig wird, bis es den neuen Keimlingen als erste Nahrungsversorgung dient, ist das antioxidativ wirkende E (Tocopherol) enthalten, außerdem noch Carotinoide.

Jetzt im Frühsommer blüht die Brennnessel. Die Brennnessel ist eine zweihäusige Pflanze, das heißt sie hat männliche und weibliche Pflanzen. Meist wachsen sie in Gruppen von Männchen oder Weibchen. Der Wind ist der Bestäuber. Er weht den Pollen zu den Weibchen. Das ist der Grund, warum Brennnesselblüten so unscheinbar sind. Sie müssen nicht durch Farbe, Blütengröße oder Duft Insekten zu Bestäubung anlocken.

Die Blüten der männlichen Pflanzen haben Staubbeutel aus denen große Mengen an Pollen freigesetzt werden. Die weiblichen Pflanzen haben kleine Narben-Büschelchen, mit denen sie den Pollen gut einfangen können. So werden sie befruchtet und bilden die knackigen grünen Brennnesselfrüchte aus.

Wer die Brennnessel-Früchte mit Ihren nahrhaften Samen sammeln möchte, der muss sie von den männlichen Blüten unterscheiden können. Sammelt man die männlichen Blüten, dann bleibt nicht viel übrig, wenn sie mal getrocknet sind. Frisch kann ich sie natürlich, z. B. als knackige Zugabe zum Salat gut verwenden.

Die männlichen Blüten sind kleine kugelige Beutelchen, die sich bei Reife öffnen und vier in einem Kreuz angeordnete Staubfäden mit Pollensäckchen entlassen. Die männlichen Blüten wirken oft etwas gelblich, die Blütenstände stehen oft eher waagerecht oder nach oben ausgerichtet ab.

Öffnen sich die weiblichen Blüten wirken sie durch die vielen hellen Härchen leicht grau. Die Blütenstände sind eher hängend.

Die reifen Früchte der weiblichen Brennnessel lassen den Strang oft weit herunterhängen. Sie sind grün und eher kantig. Braune Früchte sind bereits vertrocknet und können nicht mehr geerntet werden.

Die Ernte der Brennnesselsamen ist einfach: Gummihandschuhe anziehen, abstreifen und zuhaue auf einem Tuch ausbreiten. dann durchsieben und in dunklen Gefäßen lagern. Sie halten gut bis zur nächsten Ernte und auch länger.

Brennnesselsamen passen in jeden Salat, aufs Brot, in Eintöpfe, in den Smoothie und sind eine nussige Panade. Hier ein Rezept für Fischpflanzerl mit Brennnesselsamen-Panade.

Fischpflanzerl mit wilden Kräutern im Brennnesselsamen-Knuspermantel

Vorbereitungszeit ca. 20 Minuten, Garzeit ca. 10 Minuten

Zutaten für 8 Pflanzerl

  • 300 g Fischfilet (z. B. Kabeljau, Rotbarsch, Zander, Hecht)
  • 3 EL Semmelbrösel
  • 6 EL warme Milch
  • 4 TL Zitronensaft
  • Salz und Pfeffer
  • 1 Frühlingszwiebel und eine kleine Knoblauchzehe (oder Bärlauch)
  • 2 Handvoll milde Wildkräuter wie Brennnessel, Giersch, Vogelmiere, Vergissmeinnicht
  • 1 Büschelchen wilde Würzkräuter wie Dost, Wiesensalbei oder Scharfgarbe
  • 1 TL fein abgeriebene Bio-Zitronenschale
  • 2-3 EL Öl
  • 5-6 EL Brennnesselsamen

Zubereitung

Den Fisch sehr klein hacken oder durch den Fleischwolf drehen. Der Fleischwolf zerkleinert die feinen Gräten. Semmelbrösel und Milch und mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer zum Fisch geben. Alles gut durchmischen.
Die Frühlingszwiebel und Knoblauch sehr fein schneiden. Die Wildkräuter ebenfalls fein schneiden und mit der fein abgeriebenen Zitronenschale unter die Fischmasse mengen. Die Fischmasse muss homogen sein und schön zusammenhalten. Nach Bedarf Brösel oder Flüssigkeit zugeben.
Die Brennnesselsamen in einen flachen Teller geben, mit feuchten Händen flache Pflanzerl formen und rundherum in den Brennnesselsamen wälzen. Öl in der Pfanne erhitzen und die Fischpflanzerl von beiden Seiten bei mäßiger Hitze ca. 5 Minuten pro Seite braten.

Hier wurde ein Niederbayerischer Kartoffelkas mit Bärlauch dazu serviert.

Guten Appetit! An Guadn!

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