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Wald-Engelwurz – würzige Riesenstaude aus dem Wald
Wenn du beim Waldspaziergang plötzlich vor einer Pflanze stehst, die fast so groß ist wie du, mit mächtigen, gefiederten Blättern und großer, hellgrünlichen halbkugelgen Blüten, dann könnte das eine Begegnung mit der Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris) sein. Der Name klingt wie aus einem Märchen – und ein bisschen geheimnisvoll ist sie tatsächlich.
So erkennst du die Wald-Engelwurz
Sie wächst meist zwischen 80 cm und 2 m hoch – kein zartes Pflänzchen also. Der Stängel ist rund, oft leicht rötlich überhaucht, glatt und innen hohl. Die großen Blätter sind mehrfach gefiedert und wirken fast schon tropisch. Die Blüten erscheinen zwischen Juli und September und stehen in halbkugeligen bis kugeligen Dolden, deren einzelne Blütchen weißlich bis zartrosa schimmern. Ein typischer Waldduft steigt dir dabei oft in die Nase: würzig, ein wenig süßlich und irgendwie „heilpflanzig“. Sie ist immer gut besucht von Käfern, Fliegen und Schmetterlingen.
Mögliche Verwechslungen
Vorsicht: Die Wald-Engelwurz gehört zur Familie der Doldenblütler – und da gibt es einige giftige Kandidaten wie den Gefleckten Schierling oder die Hunds-Petersilie. Beide haben aber deutlich kleinere Blütendolden und feiner gefiederte Blätter. Trotzdem: möchtest du die Wald-Engelwurz ernetn, musst du dir sicher sein, keinen der giftigen Verwandten vor dir zu haben.
Ähnlicher in Größe und Habitus ist ihr der Wiesen-Bärenklau, der, anders als seine Name es vermuten lässt, auch mal am Weges- oder Waldrand, und damit in ähnlichen Habitaten vorkommt. Er ist ebenfalls essbar, da der Geschmack nicht so massiv ist, ist er für die Verwendung als Gemüse besser geeignet. Seine Blätter, Blattstiele und Blütenstängel sind stark behaart, seine Blütendolden weniger kugelig sondern eher flach.
Die Echte Engelwurz (Angelica archangelica) , mit ihren großen kugelrunden Blüten wächst nah am Wasser. Sie ist eine der großen traditionellen Heilpflanzen unserer Breiten.
Wo sie wächst
Wie der Name schon sagt, liebt die Wald-Engelwurz lichte Wälder, Waldränder und feuchte Wiesen in Waldnähe. Man findet sie oft dort, wo der Boden nährstoffreich und etwas feucht ist. Sie ist ein treuer Begleiter entlang der Forstwege, oft in Gesellschaft von Brennnessel und Wasserdost. Auch an Bachufern oder Gräben kannst du ihr begegnen
In der Küche
Der Geschmack der Wald-Engelwurz ist schwer zu beschreiben: eine Mischung aus süßlich-würzig, ein Hauch Sellerie, etwas Muskat, mit einer warmen, leicht bitteren Note im Abgang.
Die Wald-Engelwurz ist essbar und wurde früher als Heil- und Gewürzpflanze geschätzt. Junge Blattstiele kann man wie Rhabarber in Kompott oder Marmelade mit einkochen – sie geben eine spannende, aromatische Note. Das Kandieren der jungen Blattstile vor der Blüte ist ein Klassiker der süßen Küche. Die Blätter eignen sich klein gehackt als Würze in Suppen oder Kräuterbutter, allerdings sparsam dosieren, weil das Aroma kräftig ist. Die Samen kannst du trocknen und als Gewürz nutzen, ähnlich wie Fenchel, nur schmecken sie üppiger und sehr besonders. Sie sind ein spannendes Gewürz für Gewürzkuchen und Gebäck. Samen und Blätter sind natürlich auch als kleiner Anteil in Kräutersalzen etwas ganz besonderes.
Wildes Shortbread mit Wald-Engelwurz-Samen
Ein Rezept aus meiner Wildkräuter-Kochschule. Die Wiesen-Bärenklausamen habe ich hier ausgetauscht mit den Samen der Wald-Engelwurz. Für ca. 30 Stück
100 g Haselnüsse
2 TL getrocknete Früchte von der Wald-Engelwurz
350 g Mehl
130 g Vollrohrzucker
1 kräftige Prise Salz
165 g Haselnussöl
Fleur de Sel
➜ Haselnüsse im Backofen bei 160 °C etwa 10 Minuten rösten, bis sie intensiv duften. Etwas abkühlen lassen und in einem Geschirrtuch aneinanderreiben, um die Haut zu entfernen, dann die Nüsse grob hacken. Die Früchte der Engelwurz fein mahlen.
➜ Beides mit Mehl, Zucker, Salz und Öl verkneten.
➜ Eine quadratische Kuchenform (23 × 23 cm) mit Backpapier auslegen. Den Teig in die Form drücken und mit einer Gabel in Linien einstechen.
➜ Ca. 25 Minuten backen und noch heiß mit Zucker und Fleur de Sel bestreuen. Zügig in längliche Kekse schneiden. Gut auskühlen lassen.
Über mich
Susanne vom wilden Weg
Ich heiße Susanne Hansch und lebe in Regensburg in der Oberpfalz. Seit 2014 bin ich „Fachberaterin für essbare Wildpflanzen“ und biete hier Wildkräuter-Wanderungen und -kochkurse an.
Seit 2019 kann ich mich auch stolz Wildkräuter-Kochbuch-Autorin nennen, denn in diesem Jahr habe ich zusammen mit Elke Schwarzer, einer sehr erfolgreichen Gartenbuch-Autorin, unser Unkraut-Buch „Der Giersch muss weg “ veröffentlicht. Es wurde ein Spiegel-Bestseller und Gartenkochbuch des Jahres. Das war ein schöner Start meiner Kochbuch-Karriere. Meine nächste große Etappe auf meinem wilden Weg war die Veröffentlichung meines Kochbuchs „Die große Wildkräuter-Kochschule“ im April 2023. Nach 3 Jahren intensiver Arbeit – neben Job und meinen Wildkräuterkursen – konnte ich das fertige Buch endlich in der Hand halten. Ein tolles Gefühl. Es ist wirklich schön geworden.
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