Gänsedistel auf Ruderalfläche

Die Gänsedistel – ein grüner Schatz auf dem Erdhaufen

So ein Erdhaufen erscheint uns nicht besonders attraktiv. Achtlos gehen wir vorüber. Da wächst doch nur Unkraut! Und da haben wir es schon wieder, diesen Wort, das offensichtlich macht, wie stark bei uns verankert ist, dass das, was einfach so wächst, nichts wert ist.
Doch wir wollen ja lernen. Also, auf geht’s zu den Erdhaufen, die häufig bei Baustellen sind zu finden sind und ziemlich schnell von Grün überzogen werden. Eine Pflanze, die sich dort sehr wohl fühlt, ist die Gänsedistel, oder genauer, sind die Gänsedisteln, denn es gibt verschiedenen Arten. Heute möchte ich der Rauen Gänsedistel (Sonchus Asper) einen Beitrag widmen.

Ihre glänzend grünen Blättern fordern uns geradezu heraus sie zu ernten. So knackig und saftig wie sie aussehen, schmecken sie auch. Auch das Kochen oder Dünsten kann ihnen ihre Knackigkeit nicht nehmen. Die jungen Blätter sind nur leicht bitter und sicher die erste Wahl bei der Ernte. Die Stacheln sind zunächst weich und können einfach mitgegessen werden. Bei älteren Pflanzen können die Seitentriebe  geerntet werden. Ein Rückschnitt regt das Wachstum neuer Seitentriebe an. Bei älteren Blättern empfiehlt es sich die Stacheln vor der Verarbeitung mit einer Schere abzuschneiden.
Das Erkennungszeichen der Rauen Gänsedistel sind die Blätter, die mit einem eleganten Schwung aus dem Stengel wachsen. „Stengelumfassend“ heißt das in der Fachsprache.  Wenn Sie übrigens aus Versehen mal eine andere Distel erwischen, dann ist das unproblematisch, denn alle Disteln sind essbar. Sie sind nur oft mit härteren Stacheln als die Gänsedistel bestückt oder sind sehr bitter.
Ist die Erde locker, können jungen Pflanzen mit der Wurzel herausgezogen werden. Sie sind zart, nur leicht bitter und kommen einfach mit ins Gänsedistelgemüse. Die Gänsedistel enthält viele Mineralstoffe, Vitamin C, Bitterstoffe  und als Besonderheit Kautschuk im weißen Milchsaft.
Mit ihrem unaufdringlichen Geschmack eignet sie sich für viele Gerichte, für Gemüse, Suppen und Eintöpfe, für Kartoffel- und Nudelaufläufe. Ihre glänzenden Blätter halten sich im Kühlschrank gut einige Tage. Wenn Sie also einen Erdhaufen mit vielen knackigen Gänsedisteln finden, dann ernten Sie gleich ein paar mehr.

6 Kommentare

    1. Lieber Peter, da hast du wirklich Glück! Die Gänsedistel ist ein vielseitiges Gemüse. Die Wurzeln kannst du so zubereiten, wie du anderes Wurzelgemüse am liebsten magst, sie ist da sehr „neutral“. Und die Blätter kannst du wie Spinat zubereiten in allen dafür möglichen Variationen. Dabei bleiben die Blätter der Gänsedistel immer etwas knackig. Wenn bei dir die Raue Gänsedistel wächst, dann nimm nur die zarten Blätter, aus der Mitte, dann gibt es mit den recht harmlosen Stacheln keine Probleme. Bei der Kohl-Gänsedistel sind sie sowieso so weich, dass man sie kaum merkt. Guten Appetit.

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  1. Hallo Susanne, wir würden gerne bei deinen kräuterwanderungen mit dabei sein. Vielleicht hast du bald wieder ein paar freie Termine. Besten Dank im voraus. Wolfgang und Petra aus donaustauf.

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  2. Sehr schön geschrieben 🙂
    Müssen die Stengel wegen des Milchsaftes vor dem Verzehr irgendwie besonders behandelt werden?

    L. G aus dem Norden

    Imke

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    1. Hallo Imke, nur wenn dir die Stängel zu bitter sind, könntest du sie eine zeitlang in lauwarmes Wasser legen. Die Bitterstoffe, die im Milchsaft sind, sind wasserlöslich, und die Stängel sind dann weniger bitter. Ansonsten braucht man nichts machen. Viele Grüße aus dem Südosten. Susanne

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