April

Wildkräuterquark mit Leinöl und Pellkartoffel – Wildes Rezept zum Wochenende

Und wieder ist eine Woche in Coronazeiten mit Stillstand in vielen unserer vertrauten Alltagsbereiche fast vorbei. Die Natur lässt sich davon nicht beeindrucken. Sie hat aber mit anderen Herausforderungen zu kämpfen und zwar mit der Trockenheit. Es regnet nicht, es ist viel zu warm und zeitweise auch sehr windig. Das hat zur Folge, dass viele Pflanzen nun schnell in Blüte gehen wollen und die Blütezeit auch sehr kurz ist.

Heute rücke ich das Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis) in den Mittelpunkt. Innerhalb einer Woche ist es hier in Ostbayern auf den Wiesen in Blüte gegangen und fast auch schon wieder verblüht. Das Wiesenschaumkraut ist ein Kreuzblütler, verwandt mit Rettich, Ruccola und Kresse und sein Geschmack ist kresseartig frisch. Vitamin C und Senfölglykoside sind zwei ihrer Inhaltsstoffe, die uns gut tun.

Das Wiesenschaumkraut hat nur wenige sehr zarte Blättchen, interessant für die Wildkäuterküche sind vor allem die wunderschönen zart fliederfarbenen Blüten. Sie werden gerne mit Frischkäse, Joghurt oder Quark kombiniert. Heute poste ich Euch ein klassisches Rezept von der Spree, einer Region die bekannt ist für den Anbau von Lein, der für die Produktion von Leinen verwendet wird, wobei die Hochzeiten des Leinen ja weit hinter uns liegen, und dem Leinöl, das aus den Leinsamen gepresst wird. Kartoffeln mit Quark und Leinöl sind ein sogenanntes Armeleuteessen, denn es war verfügbar und billig und nährte früher v. a. die einfachen Leute. Heute haben wir den Wert und die Köstlichkeit dieses einfachen Gerichtes wieder erkannt. Wenn die jungen Kartoffel kommen gibt es fast nicht Besseres.

Mein Rezept habe ich natürlich mit wilden Kräutern ergänzt. Neben dem Wiesenschaumkraut habe ich einiges von dem hineingetan, was um mich herum auf meinem Balkon und der Wiese hinterm Haus wächst, Löwenzahn, Bärlauch, Knoblauchsrauke und Giersch.

Wildkräuterquark mit Leinöl und Pellkartoffel

Zutaten für 4 Portionen

  • 1 kg (vorwiegend) festkochende Kartoffeln
  • 2 TL Salz
  • 1 TL Kümmel
  • 500 g Quark
  • Etwas Milch
  • Salz
  • Pfeffer
  • Wiesenschaumkraut und andere Wildkräuter
  • Kaltgepresstes Leinöl

Zubereitung

Die Kartoffeln mit Salz und Kümmel bei mittlerer Hitze kochen. Abgießen und auf dem Herd ausdampfen lassen. Den Quark mit ein wenig Milch anrühren. Die Kräuter kleinschneiden und untermischen. Mit Salz und Pfeffer würzen. Kartoffeln schälen und mit dem Qark und dem Leinöl servieren.
Zubereitungszeit ca. 30 Minuten

Wildkräuter für die Krise – Rezept: Bavette mit Brennnessel-Sahne-Soße

Es ist Krise. Zur Zeit finden keine Wildkräuter-Wanderungen statt. Ich vermisse das Umherziehen mit meinen Kursteilnehmern im Grünen, die gemeinsame Freude über die wilden Pflanzen, das Fachsimpeln und einfach das gemeinsame Genießen der Natur.
Nun immerhin kann man alleine oder in Familie hinaus zum Spazierengehen und natürlich auch zum Wildkräuter-Sammeln. Es ist jetzt die schönste Zeit im Wildkräuter-Jahr, es sprießt überall, es grünt und es blüht und die Fülle tröstet über die Krisenzeiten hinweg.

Was gibt es denn zur Zeit? Diese Liste ist lang. Für mich ganz oben stehen im Moment die Brennnesseln, der Giersch und der Löwenzahn, das sogenannte „Heilige Triumvirat“.  Der Löwenzahn ist zur Zeit in dreierlei Hinsicht interessant: die Blätter und ganzen, noch nicht blühenden Pflanzen für Salat und Gemüse, die kleinen Knospen in der Basis zum Einlegen, Anbraten und ins Gemüse und die Blüten vor allem für Löwenzahnsirup Zum Löwenzahnsirup-Rezept

 

Der Giersch ist nun schon gut entwickelt und bedeckt große Flächen. Schnell sind die jungen gänzenden Blätter geernte für Salat, Pesto und – mein Favorit- Pasta aglio e olio mit viel kleingehacktem Giersch. Giersch geht überall dort, wo klassischerweise Petersilie verwendet wird.

Die Brennnesseln sind jetzt jung und zart aber doch schon so groß , dass das Mittagessen schnell gesammelt ist. Auch sie kommen bei mir in die Nudeln, aber auch auf die Blätterteig-Quiche, in Grießknödlchen für die Suppe und in den Klassiker, die Südtiroler Brennnesselknödel.

 

Und weil ich Euch jetzt so richtig Appetit gemacht habe, gibt es heute ein Rezept für Euch:

Bavette mit Brennnessel-Sahnesoße

Zutaten für 2 Portionen

  • 250 g Bavette (dünne Bandnudeln)
  • Salz
  • 100 g Speck
  • 2 Frühlingszwiebeln
  • 1 Becher Sahne (250 ml) (oder 50/50 mit Gemüsebrühe gemischt)
  • 2 gute Handvoll Brennnessel-Spitzen
  • Parmesan
  • Schwarzer Pfeffer

Zubereitung

Brennnesselspitzen waschen.
Nudelwasser zum Kochen bringen, salzen und die Brennnesselspitzen darin 3-4 Minuten kochen. Brennnessel rausnehmen und zum Abtropfen in ein Sieb geben. Die Nudeln in dem Wasser kochen.
Pfanne erhitzen, Speck würfeln und auslassen. Frühlingszwiebel fein schneiden und mit anschwitzen lassen. Mit der Sahne aufgießen, einköcheln lassen, salzen und pfeffern.
Die abgetropften Brennnesseln grob schneiden und unter die Sahnesoße mischen. Kurz durcherwärmen lassen, kochen braucht sie nicht mehr.
Die Nudeln abgießen, mit den Brennnesseln anrichten, Parmesan und grob gemahlenen Pfeffer darüber geben.
Schmeckt auch mit Löwenzahn oder Giersch oder allem zusammen :-). Guten Appetit wünsch ich Euch.

Der Duft des Echtes Veilchens – Viola odorata

Es bedeckt ganze Flächen mit seinen zarten violetten Blüten, das Echte Duftveilchen, Viola odorata. In diesem Jahr sind es besonders viele, vielleicht weil es so lange so kalt war und so kann ich mit guten Gewissen einen kleinen Teil entnehmen. Ich wohne mitten in der Stadt und komme durch ein Steintor in unseren Garten und werde empfangen von intensivem Veilchenduft. (Kurz stehen bleiben und den Duft genießen.) Es sind so viele, dass ich mich entschieden habe, dieses Jahr zu ernten.

Zunächst habe ich mir überlegt, was ich daraus machen möchte. Auf eine Anregung einer Freundin (Danke Angela) habe ich mich für Veilchenblüten-Zucker entscheiden. Und weil mir die Fotos des violetten Veilchenblüten-Sirups aus einem meiner Lieblings-Wildpflanzen-Kochbücher nicht aus dem Kopf geht, auch für Veilchenblüten-Sirup (Meret Bissegger: Meine wilde Pflanzenküche).

Ernte-Tipp

Was mich bisher auch von der Veilchenernte abgehalten hat, war das mühselige Pflücken der Blüten. Das ist für mich ungeduldige Ernterin eigentlich nicht das Richtige. Doch im rechten Moment hatte ich den richtigen Einfall: so wie man Heidelbeeren mit einem Kamm ernten kann sollte das doch auch mit den Veilchenblüten gehen, oder? Und tatsächlich. Mit einem ganz normalen Kamm, kann man sich die kleinen violetten Blüten behutsam in die Hand“kämmen“ ohne sie zu zerdrücken. Und so dicht wie sie stehen sind es manchmal 4, 5 oder 6 der hübschen Blüten auf einmal. So habe ich recht schnell die 20 Gramm für den Blütenzucker und die vielen Blüten für das Sirup-Rezept zusammen, mit denen ich nun ein 500 ml-Gefäß füllen kann.

Blütenzucker

20 Gramm Blüten ohne Stiele. (Den Hinweis in vielen Rezepten, dass man die grünen Kelche entfernen soll, ignoriere ich, denn das finde ich viel zu mühsam. Auch mit den kleinen Kelchen ist das Veilchenaroma des Zuckers für mich intensiv genug) (mehr …)

Neue Pflanzen im Sammelkalender für den April

Endlich wird es warm! Nach der langen Kälteperiode,  wird die Auswahl an essbaren Wildpflanzen nun endlich größer. Der Bärlauch treibt jetzt selbst an schattigen Plätzen aus und die Brennnesseln haben nun eine schöne Größe und lassen sich wunderbar ernten. Auch der Giersch treibt an sonnigen Stellen nun richtig aus und die ersten Hände voll junger zarter Blätter sind schnell geerntet.

Das Scharbockskraut steht jetzt voll im Saft und bedeckt große Flächen. An sonnigen Stellen geht es schon in Blüte, dann kann es nicht allerdings nicht mehr geerntet werden, da die Menge an giftigem Protoanemonin in den Blättern dann zu groß wird.. Die Knospen hingegen sind essbar. Der Wiesensauerampfer streckt jetzt immer mehr seiner zarten säuerlichen Blätter ans Licht und sein großer Verwandter der Rundblättrige Ampfer bietet seinen jungen Blätter zur Ernte an. Sie sind nur jung schmackhaft, später werden sie bitter. Sehr knackig und zart sind die jungen Blattrosetten des Klatschmohns. Sie wachsen nach einer Pause während der letzten kalten Wochen nun weiter. Sie sollte man nicht in zu großen Mengen essen, da der weiße Milchsaft  nicht  so gut verträglich ist. Aber ab und zu sollten Sie sich dieses feine Gemüse schmecken lassen!

Für den ersten Frühlingssalat können nun die jungen zarten Blätter des Löwenzahn geerntet werden. Jetzt sind sie nur leicht bitter und sehr zart. Seine Bitterstoffe unterstützen den Stoffwechsel und damit ist sie die klassische Pflanze für das Frühjahr. (mehr …)

Löwenzahnblüten köcheln

Goldener Löwenzahnblütensirup

Sonniges Wetter läßt die Löwenzahnblüten aufgehen und nun ist es an der Zeit die vertagten Pläne umzusetzen und Löwenzahnblütensirup zu machen. Ein Rezept ist gefunden und zwar eines, bei dem man die grünen Hüllblätter nicht entfernen muss. In anderen Rezepten heißt es, sie würden den Sirup bitter machen. Doch ich vertraue dem österreichen Hauben- und Sterne-Koch Meinrad Neunkirchner und kann mir auch gut vorstellen, dass das Bittere dem Sirup die besondere Note gibt („So schmecken Wildpflanzen“ heißt das Buch, in dem er das Rezept veröffentlicht hat). Nun gibt es noch eine Hürde zu nehmen: 1 kg Löwenzahnblüten pflücken. Doch ich habe Glück: die Teilnehmer meiner Wildpflanzenwanderung, denen ich von meinem Plan erzähle,  erklären sich spontan bereit mir zu helfen und in 10 Minuten sind 960 gr. Blüten gesammelt. Vielen vielen Dank dafür, das war unglaublich nett!!

Hier nun die versprochene Belohnung, das Rezept für 1 Liter leckeren Sirup:

Ca. 1 kg. Blüten ohne Stiele | 2 Liter Wasser | 2 Bio-Zitronen und Bio-Orangen, in Scheiben geschnitten | ca. 500 gr. Zucker

Blüten nicht waschen, ggf. aber erstmal die kleinen Tierchen rauskrabbeln lassen. Mit ca. 2 Litern Wasser aufkochen, ggf. Schaum abschöpfen. Die Zitronen- und Orangenscheiben zugeben und bei geringer Hitze auf ca. die Hälfte reduzieren lassen. Das dauert durchaus mehrere Stunden. Abkühlen lassen und über Nacht zugedeckt stehen lassen. Am nächsten Tag in einem Sieb abtropfen lassen aber nicht ausdrücken. Den Sud langsam mit Zucker (500 gr. auf 1 Liter) einkochen lassen. Neunkirchner empfiehlt den Sirup durch ein feines Sieb zu gießen, nochmals aufzukochen und dann abzufüllen. Kühl und dunkel soll er bis zu 2 Jahre haltbar sein.